Arbeit macht Spaß – oder krank

Auch wenn der Titel etwas seltsam anmutet – es steckt eine gute Portion Wahrheit darin. Denn wenn wir uns auf Dauer – und damit große Teile unserer Lebenszeit – mit Dingen und Tätigkeiten beschäftigen, die uns keinen Spaß bereiten, dann ist das nicht gut für uns und unsere Gesundheit. Doch was genau bedeutet in diesem Zusammenhang Spaß? Der Begriff Spaß ist in Bezug auf den Arbeitsalltag vielleicht etwas missverständlich. Doch das werde ich gleich erklären.


Was wünschen sich Arbeitgeber und Vorgesetzte von ihren Mitarbeitenden? Die Antwort lautet:

Mitarbeiter*innen sollen gut gelaunt, hoch motiviert, leistungs- und lernwillig zur Arbeit kommen und ihre Aufgaben fristgerecht und in vorgegebener Qualität und Menge abliefern. Sie sollen einen positiven Beitrag zur Stimmung im Unternehmen leisten.

Im Idealfall sieht das wohl so aus, doch der Idealfall ist leider nicht überall gegeben. Was muss geschehen oder vorhanden sein, damit wir als Mitarbeitende uns so verhalten, wie Vorgesetzte es sich wünschen? Welchen Beitrag können Führungskräfte leisten, damit uns die Arbeit Spaß macht?

Die gute Nachricht: Es gibt einige Faktoren, die im Grunde

ganz simpel sind,

kaum Zeit benötigen,

kein Geld kosten und

deren mögliche Auswirkung enorm sein kann.

Man kann dies aus zwei Perspektiven betrachten:

  • Mitarbeiter-Perspektive
  • Führungskraft-Perspektive


Beginnen möchte ich mit der Mitarbeiter-Perspektive. Denn hier können Sie selbst agieren. Und wollen wir eines nicht vergessen: Menschen, die Vorgesetzte haben und Menschen, die anderen Menschen vorgesetzt sind haben eine gemeinsame Schnittmenge: Sie lautet Menschenführung. Ich verstehe unter Menschenführung: Sich selbst zu führen UND andere zu führen. Und manchmal führen (clevere) Mitarbeitende ihre Vorgesetzten…


Der Titel lautet: Arbeit macht Spaß – oder krank. Man könnte nun also auf die Idee kommen zu untersuchen, was genau krank macht. Der Fachbegriff dafür lautet Pathogenese. Die nächste gute Nachricht: Das können Sie gleich wieder vergessen. Denn mit Pathogenese beschäftige ich mich in diesem Beitrag nicht. Sondern genau mit dem Gegenteil: Wir fragen uns: Welche Aspekte führen zu und erhalten unsere Gesundheit? Und auch dafür gibt es einen – wie ich finde – interessanten Fachbegriff: Salutogenese (Wenn es nach mir ginge, dann dürften Sie sich diesen Begriff gern einprägen 😉 ). Dem Salutogenese-Modell folgend ist „Gesundheit nicht ein Zustand, sondern als Prozess zu verstehen“. Doch ich will es einfach und greifbar machen und in einem großen Schritt direkt auf das Berufsleben übertragen:


Gesundheit entsteht, wenn der Mensch


• die Fähigkeit hat, Zusammenhänge zu verstehen

(Gefühl der Verstehbarkeit)


• den Glauben hat, etwas Sinnvolles zu tun / einen sinnvollen Beitrag zu leisten

(Sinnhaftigkeit)


• die Überzeugung hat, sein eigenes Leben gestalten zu können

(Selbstwirksamkeit)

(Abgeleitet und übertragen aus dem „Kohärenzgefühl nach Aaron Antonowsky“, israelisch-amerikanischer Medizin-Soziologe 1923-1994)


Was bedeutet das für uns? Für unsere Arbeit ist es also wichtig, dass wir VERSTEHEN, WARUM wir etwas tun sollen, welche Bedeutung, welchen Wert und welchen Beitrag UNSERE Arbeit für das Ganze hat. So oft sage ich in den Führungskräfte-Workshops zu den Teilnehmer*innen: Explain the why! Erkläre das Warum! Erkläre bei jeder Aufgabe, die Du überträgst, WARUM der Mitarbeitende diese Aufgabe machen soll. Erkläre und erläutere, dass diese Aufgabe WICHTIG ist, welche FUNKTION sie ausfüllt, welchen BEITRAG zum Gesamtergebnis sie leistet, welchen SINN und ZWECK sie erfüllt. Dies ist übrigens umso wichtiger, wenn es sich um Aufgaben handelt, um die sich die Mitarbeiter üblicherweise nicht streiten (im Sinne von: Jeder will das machen). Aber, ich bin ja noch bei der Ebene Mitarbeitender.

Was können Sie tun, wenn der/die Vorgesetzte so nicht führt?

Antwort: Fragen Sie nach! Und zwar so lange und so oft, bis Sie es verstanden haben und den Sinn erkennen können. Das kann sogar noch den Vorteil mit sich bringen, dass Sie damit als eine Person wahrgenommen werden, die „mitdenkt“ und „konstruktiv kritisch hinterfragt“. Manchmal, so höre ich immer wieder, werden dadurch Tätigkeiten sichtbar gemacht, die es eigentlich gar nicht mehr braucht.

Selbstwirksamkeit

Kommen wir zum dritten Punkt, zur „Selbstwirksamkeit“. Ich habe behauptet, die Lösungen seien simpel, schnell da, kosten kaum /kein Geld und haben große Auswirkung. Ich habe bewusst und absichtlich den Begriff „simpel“ gewählt. Ich habe nicht gesagt, dass es leicht ist…

Doch was können wir tun, um das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu erlangen? Für mich ist Selbstwirksamkeit gleichbedeutend mit Handlungsfähigkeit. Was braucht es denn, damit ich handlungsfähig bleibe und mein Leben gestalten kann? Die Überzeugung, Gestalter des eigenen Lebens zu sein, erreichen Sie meiner Meinung und Erfahrung nach nur durch eine zentrale Entscheidung: Sie müssen die Verantwortung übernehmen. Die Verantwortung übernehmen dafür, wie Sie mit den Gegebenheiten (vor allem mit den Hindernissen, Misserfolgen und Rückschlägen) umgehen. Wie sagte mal eine kluge Person zu mir, als ich in einer sehr schwierigen Situation war: Übernimm für alles, was Dir passiert, genauer: wie Du darauf reagierst, die Verantwortung. Ich gebe zu: Dieser Satz allein überzeugte mich noch nicht. Die kluge Person ergänzte: „Denn, wer die Verantwortung hat, der hat die MACHT.“ Mit diesem zweiten Satz konnte ich mehr anfangen…

Übernimm für alles, was Dir passiert, genauer: wie Du darauf reagierst, die Verantwortung.

Denn, wer die Verantwortung hat, der hat die MACHT.

Eine kluge Person aus meinem Umfeld.

Verstehen Sie mich bitte richtig: Die Schwierigkeit der Situation war genau die Gleiche wie vorher. Aber ab diesem Moment (der Erkenntnis und der nachfolgenden Entscheidung) fühlte ich mich nicht mehr als „Opfer“, sondern wusste, ich habe Möglichkeiten zu reagieren. Ich war also wieder handlungsfähig. Ich will nicht verschweigen, dass diese neue Sichtweise auch die ein oder andere schmerzhafte Erkenntnis mit sich führte. Die Erkenntnis, dass ich mich durchaus nicht immer klug und vernünftig verhalten hatte. Und dieses Verhalten den Lauf der Dinge zu meinen Ungunsten beeinflusst hatte.

Um es in ein Bild zu setzen: Ich war auf einem Segelboot in schwerer See mit haushohen Wellen und Orkanböen, hatte mich unter Deck verkrochen und auf Wetter und Gezeiten geschimpft. Dann aber entschied ich mich, wieder an Deck zu gehen und mich ans Steuerruder zu stellen, um „Wind und Welle zu reiten“ 😊.

Wichtig und an dem Beispiel gut vorstellbar: Es gibt einen großen Unterschied zwischen Kontrolle und Steuerung. Wind und Welle zu kontrollieren ist unmöglich. Aber trotz beziehungsweise mit Wind und Welle zu segeln ist immer möglich. Ich persönlich halte Kontrolle daher für eine Illusion. Aber steuern kann man immer. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen „immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel“ 😊

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